Verfasst von: regwoche | März 21, 2009

„Manchen sind Dachlandschaften wichtiger als Umweltschutz“

Vortrag: Jürgen Mistol referiert über kommunale Energie- und Verkehrspolitik – kommunales Förderprogramm, mehr Solaranlagen und Straßenbahn gefordert
Von Magdalena Fröhlich, MZ, 21. März 2009

REGENSBURG Bevor man über andere schimpft, soll man zuerst vor die eigene Haustüre schauen, lautet ein Sprichwort. Dies gilt auch für den Umweltschutz. Der Treibhauseffekt und die Erwärmung der Erdatmosphäre sind zwar globale Probleme, doch: „Man muss auch da, wo man selbst Verantwortung trägt sich des Themas annehmen“, so Jürgen Mistol, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Regensburg. Auf Einladung des Vorsitzenden Armin Gugaus des Bürgervereins Regensburg Nord referierte der Stadtrat im Hotel Götzfried über kommunale Energie- und Verkehrspolitik. Da das Thema „Umweltschutz“ weltweit von großer Relevanz sei, müssen dringend Maßnahmen durchgeführt werden, um den Klimawandel zu begrenzen. So sei bis 2020 eine Einsparung von Treibhausemissionen um 40 Prozent nötig, um die Erderwärmung um 2 Grad Celsius zu senken. Das Ziel der Partei laute folglich den Anteil der erneuerbaren Energien um 40 Prozent zu erhöhen, was gleichzeitig bedeute Kohle- und Atomkraftwerke nicht weiter zu subventionieren. Dies habe auch positive Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, da Deutschland besonders in der Entwicklung der Windkrafttechnologie weltweiter Vorreiter sei. „Bis 2020 werden 400.000 Arbeitsplätze auf dem Sektor der regenerativen Energien erwartet“, sagte Mistol. Zum Vergleich: In der Atomindustrie sind gerade einmal 38.000 Menschen beschäftigt.

Was dies für Regensburg bedeute? „Auch hierbei uns gibt e s bereits jetzt Firmen, die auf diesem Gebiet tätig sind, das heißt, auch hier können neue Arbeitsplätze entstehen“, erklärte Mistol, der zudem für ein eigenes Energieeinsparungsprogramms für Regensburg plädiert. Dieses solle Hausbesitzer dazu anregen, etwa ihren Altbau zu sanieren. Denn Untersuchungen hätten ergeben, dass mit entsprechenden Maßnahmen, wie einer guten Isolierungen, nur noch zehn Prozent der Energie verbraucht werden als zuvor. Das investierte Geld zahle sich somit rasch aus. „Wenn man nicht sofort eine solche Summe aufbringen kann, soll man von bundesweiten Förderprogrammen einen Anschub bekommen und einen zusätzlichen Anreiz von Seiten der Stadt erhalten“, erklärte der grüne Fraktionsvorsitzende. Seine Partei habe übrigens einen Antrag eingereicht, der nächste Woche in den Planungsausschuss komme und sich gegen bürokratische Hemmnisse für Solaranlagen wendet. Beispielsweise können in der Ganghofersiedlung keine Solaranlagen angebracht werden, da dies das Ensemble stören würde, auch in der Altstadt gelten ähnliche Argumente. „Manchen scheint die Dächerlandschaft wichtiger zu sein als Umweltschutz“, meinte Mistol, „dabei gibt es jetzt viele gestalterisch hochwertige Lösungen.“

Zum Punkt Verkehr sagte er: „ Da der Anteil des motorisierten Individualverkehrs in Regensburg überdurchschnittlich hoch ist, ist es wichtiger in den Öffentlichen Nahverkehr statt in den Straßenbau zu investieren, eine Straßenbahn, vorerst nur mit einer Linie vom Norden der Stadt Richtung Burgweinting wäre ein wichtiger Schritt.“ Andere Städte, wie Karlsruhe, hätten gezeigt, dass die prognostizierten Zahlen für die Fahrgäste weit übertroffen wurden und die Bahnen sogar so leise seien, dass sie ein Glöckchen vorne befestigt hätten, um von Fußgängern gehört zu werden. Im Stadtnorden gäbe es bereits Schienen, so am ehemaligen Bahnhof Wutzlhofen und an der Walhalla-Bahn.

Wie es um eine Wiedereröffnung alter Haltepunkte bestellt sei, fragte eine Dame aus dem Publikum. „Damit die Deutsche Bahn AG dies in die Wege leitet, wären 1.000 Personen pro Tag nötig, diese Zahl kann nicht erreicht werden.“ Auf die Bahn waren die Mitglieder des Bürgervereins Nord am Donnerstag ohnehin nicht gut zu sprechen: Die Unterführung in der Donaustauferstraße müsse dringend saniert werden. Sie sei zu eng, zu dunkel und somit gerade für Radfahrer und Fußgänger gefährlich. Auch Mistol sprach sich dafür aus. Ein weiter Punkt war der LKW-Lärm in der Ambergerstraße, doch es sei schwierig die Mautausweichler auf andere Straßen zu lenken, Anträge dieses Problem anzugehen gebe es jedoch bereits.

Heinrich Meier, Ehrenvorsitzender des Vereins beschwerte sich außerdem über 130 gefällte Bäume, die dem Ausbau der Nordgaustraße weichen mussten – die Ersatzpflanzung fand in Burgweinting statt, also im Süden der Stadt. Mistol gab ihm Recht, dass dies eigentlich in unmittelbarer Nähe geschehen müsste, doch sei ein solches Vorgehen nicht verboten. (mmf)

Info:

Der Bürgerverein Regensburg Nord ist aus einer erfolgreichen Bürgerinitiative entstanden und besteht seit 15 Jahren

Der gemeinnützige Verein ist parteipolitisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig

Er tritt für mehr Lebensqualität im Stadtnorden ein und arbeitet mit Behörden, Mandatsträgern, Organisationen und Vereinen zusammen

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