Verfasst von: regwoche | November 1, 2015

Ein Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen

Nachruf auf Helmut Meier

Helmut Meier

Am 16. Oktober verstarb der Ehrenvorsitzende und Gründer des Bürgervereins Regensburg Nord, Helmut Meier.

Wenn man Helmut Meier darauf ansprach, dass er bisweilen als „ Rebell des Stadtnordens“ bezeichnet wird, war es ihm nicht recht – aber ein wenig geschmeichelt war er doch. Nicht nur im Stadtnorden Regensburgs kam man an dem diskussionsfreudigen Verfechter des „Sich-Einmischens“ und an seiner Verbindlichkeit nicht vorbei.

Als Sprecher der BI Bauschutt kämpfte Helmut Meier in den 90ern gegen eine Deponie im Kalkwerk. 1994 wurde unter seiner Ägide der Bürgerverein Regensburg Nord (BRN e.V.) gegründet, der drei Jahre später das Aus für die Bauschuttdeponie erleben durfte. Doch auch danach warfen der Verein als Institution, und Meier als Person ein wachsames Auge auf alles, was die Stadt plant, zulässt und baut. Der Bürgerverein ist Meiers Kind, das er leidenschaftlich hegte und pflegte. Mehrere hundert Mitglieder warb er persönlich, kannte alle und war mit ihnen in regem Kontakt. Zu den Mitgliedern des BRN, den der pensionierte Rechtspfleger gründete, um ein Gegengewicht zur Devise „Dem Stadtsüden der Speck, dem Stadtnorden der Dreck“ zu bilden, gehören bis heute Mitglieder aller Stadtratsfraktionen. Meier selbst hingegen hielt mit seiner parteipolitischen Präferenz stets hinterm Berg. Im Verein sollten alle politischen Haltungen Platz haben. Auch im hohen Alter blieb er stets offen für neue Ideen und Meinungen.

Dem gebürtigen Fürther, der kurz nach dem Krieg nach Regensburg kam ging es um die Sache: mehr Lebensqualität im Stadtnorden. Dafür setzte er sich ein und forderte unermüdlich die Bürger auf, „ihre Zuschauerrolle aufzugeben“. Noch in den letzten Jahren, während derer er wegen seiner schweren Krankheit nur noch eingeschränkt das Haus verlassen und an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen konnte, verfolgte er intensiv das politische Geschehen in Regensburg und die Planungen für den Stadtnorden. Wegen der Feinstaub-Problematik z.B. wandte er sich mit mehreren Briefen an den OB Joachim Wolbergs, den Umwelt-Bürgermeister und die Stadtverwaltung. Bis zuletzt, noch vom Krankenbett aus, stand er dem aktuellen Vorsitzenden, Norbert Hauner, mit Rat und Tat zur Seite, gab Anweisungen und organisierte.

Meiers Humor, seine Toleranz und Herzlichkeit waren in Regensburg bekannt. Ebenso aber seine Eloquenz. Wenngleich mancher Vertreter der Stadtverwaltung oder Kommunalpolitik diese Eigenschaft fürchtete. Denn bei aller Toleranz und Verbindlichkeit hielt Helmut Meier mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Doch selten nahm es ihm jemand übel.

Beharrlich war der engagierte Senior auch in seiner Eigenschaft als Personalrat am Amtsgericht Regensburg, dessen Vorsitz er fast 25 Jahre innehatte, und als Bezirkspersonalrat am Oberlandesgericht Nürnberg. 1986 wurde ihm für dieses Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Als „freier Bürger in einem freien Land“ – so sah sich Meier selbst. Ein offener, hilfsbereiter und liebevoller Mensch, ein Kämpfer – das war er auch für seine Freunde und die Familie. Am 16. Oktober hat Helmut Meiers Kämpferherz aufgehört zu schlagen. Er wurde 87 Jahre alt.

Mit freundlicher Genehmigung der auszugsweisen Verwendung des Nachrufs in „Regensburg Digital“ unseres Mitglieds Stefan Aigner


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